Verdünnen und Verschütteln
 

«Was heisst Potenz?»


Mit der Entdeckung des Ähnlichkeitsprinzips hatte Hahnemann sein Ziel noch nicht erreicht. Es stellte sich nämlich heraus, dass Patienten, denen ein homöopathisches Arzneimittel verschrieben wurde, aber erst einmal eine so genannte Erstverschlimmerung zu erleiden hatten. Dies war eine Verstärkung der Beschwerden, die kurz nach Einnahme des Mittels entstand und Stunden oder Tage, ja manchmal sogar Wochen andauern konnte. Sie konnte damals recht beschwerlich sein.

 

Um die Erstverschlimmerung eines passenden homöopathischen Mittels zu verringern, begann Hahnemann, seine Medikamente zu verdünnen. Und tatsächlich wurde die Erstverschlimmerung weniger gravierend, je höher er verdünnte. Allerdings ergab dies einen Nachteil: Mit der Erstverschlimmerung verschwand auch die heilende Wirkung des Mittels. So stand Hahnemann wieder am Anfang.
Der nächste Schritt, den Hahnemann hierauf unternahm, ist aus wissenschaftlicher Sicht des 21. Jahrhunderts betrachtet äusserst merkwürdig. Nachdem er einen Arzneistoff 1:100 verdünnt hatte, schüttelte er die Lösung hundertmal mit einem kräftigen Schlag auf einen harten, aber leicht nachgiebigen Untergrund. Nach nochmaligem Verdünnen schüttelte er wieder hundertmal, und diesen Prozess wiederholte er einige Male. Nach Einnahme der in dieser Weise angereicherten Substanz verschwand die Erstverschlimmerung zwar genau so schnell wie bei seinen vorherigen Versuchen (bei denen er nur verdünnte), die heilende Wirkung blieb in diesem Fall jedoch vollständig erhalten! Deshalb nannte Hahnemann diesen Prozess Potenzieren (wörtlich bedeutet dies „kräftig machen“, Potenz = Kraft).

   

Nach jedem Schritt des Verdünnens und Verschüttelns erhalten wir eine nächst höhere Potenz, eine kräftigere und länger wirksame Arznei. Das heisst also - und das ist das nächste für Laien unglaubliche Kuriosum in der Homöopathie - je mehr ein

homöopathisches Mittel verdünnt ist (und verschüttelt), um so stärker ist es in seiner Wirkung. Man unterscheidet nach den verschiedenen Arten von Potenzen:

  D-Potenz (=Dezimal) 1 : 10
  C-Potenz (=Centesimal) 1 : 100

Q-Potenz = Verdünnung 1 : 50‘000
 

Vielleicht sind Ihnen diese eigenartigen Bezeichnungen auf einem homöopathischen Mittel auch schon aufgefallen. Die Bezeichnung C 30 bedeutet z.B., dass dieses Mittel 30 x im Verhältnis von 1 : 100 verdünnt und verschüttelt wurde. Aus der Physik wissen wir, dass ab einer C 12 kein Molekül der Ursubstanz mehr vorhanden ist. Von dieser Potenz an aufwärts wird es also sehr unwahrscheinlich, dass der Patient überhaupt noch ein Molekül der Arznei einnimmt. Trotzdem hat man mit höheren Potenzen erstaunliche Erfolge. Wie ist das zu erklären?

Basierend auf verschiedenen Ansätzen wie Quantenphysik, Biologie, Elektromagnetik, Informatik und seit neuestem auch der Chaos-Theorie, wurden verschiedene Erklärungsmodelle entwickelt. Dass die homöopathischen Mittel wirken, wurde also schon bewiesen, warum sie in dieser Verdünnung - und erst in der Verdünnung - wirken, dieser Beweis steht wissenschaftlich noch aus. Diese Tatsache wird oft angeführt, um die Homöopathie als unwissenschaftlich abzutun.


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